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Der Dreißigjährige Krieg, das Amt Wetter und die Stadt Schwelm1)

Dr. Bernhard Ruthmann

Wir erleben im Zuge der Jubiläumsfeierlichkeiten - 350 Jahre Westfälischer Friede 1648 - auf breiter Front eine Intensivierung der historischen Regionalforschung, die zum besseren Verständnis beitragen soll, wie die damalige Bevölkerung einer bestimmten Region die Schrecken der dreißigjährigen Kriegsführung erlebte und verarbeitete. Die vorliegende Darstellung fühlt sich in diesem Sinne mit dem Amt Wetter der Geschichte der südwestlichen Grafschaft Mark verpflichtet und fragt ganz konkret nach den Auswirkungen dieses Krieges auf die Bevölkerung.2) Obgleich hier keine Ablaufgeschichte des Dreißigjährigen Krieges in der Grafschaft Mark geliefert werden kann, so ist doch häufig eine Bezugnahme auf verschiedene Truppendurchzüge und -einquartierungen unerläßlich.3) Nähere Informationen zur Stadt und zum Gogericht Schwelm bietet noch immer die detailreiche Studie von Herbert Schwarzenau, die in ihrer Art unersetzlich eine Fülle von Einzelinformationen bietet.4) Der Zugang zum Dreißigjährigen Krieg soll zunächst über kurze Hinweise zur Periodisierung gesucht werden. Die bekannte Abfrage des Lehrers nach Beginn und Ende dieses Krieges führt zur schnellen - wenn auch falschen - Antwort mit den Jahreszahlen 1618 und 1648. Aus regionalhistorischer Perspektive sind diese Daten insofern falsch oder zumindest kaum relevant, weil hier andere Eckdaten zu nennen wären, etwa Beginn und Ende des Jülich-Klever Erbfolgestreites (1609/1666) oder der Aufstand in den Niederlanden (1568) und dem folgenden 80jährigen Krieg. Spürbar war in unserer Region der Dreißigjährige Krieg jedenfalls erst ab 1621 mit einsetzenden Kriegssteuern und den Winterquartieren des spanischen Generals Don Gonzales Fernando de Cordova in der nördlichen Grafschaft Mark,5) und diese Kriegsauswirkungen hielten bis mindestens 1650 an, als die Frage des schwedischen Satisfaktionsgeldes in Höhe von 17000 Reichstalern konkret auf die Steuerpflichtigen zukam.6) Begrenzen wir also den Krieg auf die Zeit von 1621 bis 1650, so stimmt dies mit der Regionalgeschichte überein.

Der Dreißigjährige Krieg wurde von Historikern schon früher oft regional eingegrenzt, wenn es um die Auswirkungen des Krieges auf das Land und die Bevölkerung ging. Der Historiker Günther Franz hat die älteren Ansätze zusammengefaßt und dabei feststellen können, daß eine breite Zerstörungsdiagonale vom Nordosten bis zum Südwesten das Alte Reich durchzog. Bei dieser Einschätzung fällt das Gebiet der Grafschaft Mark mehr oder minder aus der Perspektive heraus, weil es in unserer Gegend zu keiner nennenswerten Schlacht kam, abgesehen von Belagerungen und wechselnden Besatzungen.7) Die Bevölkerungsverluste waren aber dennoch so hoch, daß Günther Franz trotz der Etikettierung dieser Gegend als ein Schongebiet des Dreißigjährigen Krieges doch auf diesen Menschenschwund hinweisen mußte.8) Da die Grafschaft Mark keineswegs zu den schrecklichen Kriegszonen gehörte, können auch hier keine leichten Ursache/Wirkungs-Zusammenhänge aufgezeigt werden. Und trotzdem stellen die kurfürstlichen Beamten am Ende des Krieges fest, daß die wohlhabende Hellwegzone mitsamt den südlichen Ämtern der Grafschaft Mark fast gänzlich ausgepresst sei und dort nur noch “blutarme Untertanen” leben.9) Auf den entscheidenden Wirkungszusammenhang weist uns in rückwärtiger Perspektive jener Kriegsgeneral, der allgemein für den schrecklichen Brand von Magdeburg verantwortlich gemacht wird. Graf Gottfried Heinrich von Pappenheim verzichtete nur wenig später auf die Niederbrennung der Reichsstadt Dortmund und nahm stattdessen ein hohes Befreiungsgeld entgegen.10) Dies war kein milder Gnadenakt des Grafen von Pappenheim, sondern ein Akt der Vernunft, denn seine große Kriegsmacht war wie alle Kriegsparteien auf die finanziellen Resourcen größerer Kontributionszonen angewiesen, ferner auch auf die Erhaltung solch operativer Basen wie die Reichsstadt Dortmund. Die Einnahme der Stadt Dortmund war letztlich für Pappenheim nur ein Intermezzo auf seinem Weg nach Maastricht. Auf seinem Zug durch die Grafschaft Mark plünderten seine Truppen hemmungslos 70 adlige Häuser aus.11)

Diese kurzen Bemerkungen sollten vor Augen führen, daß im Folgenden keine Kriegsereignisse zu schildern sind, sondern die Leiden der Bevölkerung, die aus der ständigen Präsenz von Truppen in der Nachbarschaft oder im eigenen Hause resultierten. Zu den kriegsstrategisch immer bedeutungsvoller werdenden Kontributionszonen gehörte also auch die Grafschaft Mark. Im Folgenden sollen zunächst die vier Hauptmerkmale charakterisiert werden, die in diesem Zusammenhang dazu führten, daß der Krieg eine unmittelbare Existenzbedrohung für die Bevölkerung wurde.

1. Die Steuerschraube wird gedreht (damit der Krieg den Krieg ernährt12))

Ich habe kurz angedeutet, daß der Dreißigjährige Krieg materiell auf eine Besteuerung der Untertanenschaft der besetzten feindlichen oder der neutralen Gebiete angewiesen war. Ohne diese beständige Steuerleistung wäre der Krieg mit umfangreichen Söldnerheeren nicht möglich gewesen. Die Besteuerung hatte kurzfristig noch keinen verheerenden Effekt, doch langfristig verschlechterten sich die Lebensbedingungen der Menschen zusehens durch eine finanzielle Überforderung. Zusätzlich - und dies wird später darzustellen sein - litten die Menschen unter den Kriegsdrangsalen der “Soldatesca”; d.h. unter der ständigen Soldatenpräsenz einerseits und unter den sporadischen Einfällen marodierender Truppen andererseits.

Zunächst zum Ablauf und zum Umfang des ordentlichen Besteuerungssystems: Die kriegsführenden Parteien bemächtigten sich - anfangs aufgrund bestehender Koalitionen mit Pfalz-Neuburg und Kurbrandenburg - fester Städte und Burgen in der Grafschaft Mark. Diese Inbesitznahme war, obgleich für die Betroffenen oft traumatisch, nur der Auftakt für langandauernde Besteuerungsmaßnahmen. Die Truppenführer verhandelten zu diesem Zweck mit den Beamten und Ritterbürtigen der Grafschaft Mark und forderten erhebliche Summen, damit die Truppen entweder abzogen oder über eine gewisse Zeit versorgt werden konnten. Exemplarisch ist hier das Eindringen der spanischen Truppen 1621/22 unter de Cordova in die nördliche Grafschaft Mark mit 10000 Soldaten anzuführen. Diese Truppen blieben jeweils den Winter über im märkischen Quartier und diese Praxis hielt bis ins Jahr 1624 an. Die Aufwendungen für die unmittelbar betroffenen Ämter waren hoch, doch die gesamte Grafschaft nahm an der Unterhaltung der Truppen Anteil, indem die nötigen Summen nach einem Verteilungsschlüssel “repartiert” wurden. Diese Repartition lief meist über die Ebene der Amtsgliederung, wobei dann innerhalb der Ämter diese Summen auf die Gerichte umverteilt wurden.13) Ferner nahmen die Freiheiten und Städte der Grafschaft Mark eigenständig - außerhalb der Amtsstruktur - an der Abtragung der Gesamtsumme teil.

Ein Beispiel aus der südlichen Grafschaft kann die Größenordnung der Steuerleistungen belegen. Der landesfürstliche Steuereinnehmer Jacob Fischer verzeichnete in seinen Unterlagen für das Kirchspiel Lüdenscheid von 1621 bis 1630 eine Kriegsbelastung in Höhe von 35400 Reichstalern.14) Zu diesen Kriegsbelastungen zählte er jedoch nicht nur die abzuliefernden Geldbeträge, sondern alle zusätzlichen Dienste, Aufwendungen und Einquartierungen, die durch die anwesenden Soldaten erforderlich waren. In der Grafschaft Mark haben wir zu dieser Zeit überwiegend eine Herrschaft von Truppen des Pfalzgrafen von Neuburg und der spanischen-lothringischen Partei. Bochum war 1623 von Spaniern besetzt, nachdem 1622 schon Hattingen schwer betroffen worden war.15) Während in Bochum, Hattingen und Essen die Hauptmacht der spanischen Truppen konzentriert blieb,16) dauerte auch in den südlicheren Bereichen der Grafschaft Mark die spanisch-neuburgischen Einquartierungen an, wie sich dies aus Schwelm, Hagen und Altena belegen läßt.17) Der Steuereinnehmer in Wetter (Matthias Hackenberg) verzeichnete 1624 Aufwendungen, die mit denen in Lüdenscheid vergleichbar sind. Daraus wird deutlich, daß die Steuereinnahmen, die zur Zahlung einer bestimmten Geldsumme erhoben wurden, insgesamt etwas höher als die geforderte Summe sein mußten, da bereits bei der Eintreibung weitere Kosten aufliefen, ferner auch bei der Bezahlung und bei weiteren Verhandlungen Kosten entstanden. Dies läßt sich sehr gut für Dorf und Freiheit Wetter belegen, wo der Steuereinnehmer Hackenberg diese besonderen Ausgaben verzeichnete. So war es üblich, den Soldaten, die aus Wetter abgezogen wurden ein Abzugsgeld zu überreichen (je Soldat einen Reichstaler). Einem Leutnant, der nach Werden abzog, gab man ein Abzugsgeld in Höhe von 2 Reichstalern und 13 Schillingen. Doch nicht nur Abzugsgelder mußten bezahlt werden, sondern auch alle Botengänge, Verehrungsgelder und andere kleinen Geschenke. Die Steuern mußten meist nach Dortmund geliefert werden, so daß hier Botengänge an der Tagesordnung waren. Der reibungslose Ablauf der Steuergeschäfte ist als Verwaltungsaufwand stets spürbar, wurde aber u.a. auch durch persönliche Beziehungen erleichtert. So war Hermannus Hackenberg, der Bruder des Steuereinnehmers in Wetter, in Dortmund offensichtlich mit der Einnahme der Gelder aus den Städten und Freiheiten betraut. In dieser Hinsicht war er öfters in Wetter und man sicherte sich seiner Dienste durch Branntwein und Naturalgeschenke. Er erhielt z.B. wie auch ein Feldwebel, der im Begriff war, zu den ohnehin schon einquartierten Soldaten in Wetter nochmals sieben weitere hinzuzufügen, einige Fische als Verehrung geschenkt.18) Ähnliche Beispiele aus der Stadt Schwelm belegen, daß die städtische Verwaltung mit den fremden Truppenführern zur Milderung der hochbeschwerlichen Unterhaltungskosten verhandelten und dabei erhebliche Geld- und Naturalgeschenke - mit zweifelhaftem Erfolg - aufbringen mußten.19)

Was geschah aber ganz konkret, wenn z.B. die Gemeinde Wetter im Rahmen der Steuerveranlagung für die Städte und Freiheiten der Grafschaft Mark eine gewisse Summe nach Dortmund liefern mußte. Offensichtlich traf man sich bei einem Becher Branntwein und überlegte, wieviele Steuertermine anhand der alten Steuermatrikel nötig sein würden, um z.B. über sechs Monate eine monatliche Summe von 40 Reichstalern aufzubringen.20) Die Steuern wurden dann wöchentlich oder vierzehntägig entrichtet, so daß wir etliche Steuertermine in einem Jahr vorliegen haben.21) Was dann jedoch bei diesen Steuerschatzungen herauskam war meist ernüchternd, denn mehr und mehr waren steuerpflichtige Güter verfallen und wüst, die Menschen fortgezogen, geflüchtet oder verstorben. So war man in Wetter bei geringem Steuerfluß und hohem Druck seitens der Truppen - man fürchtete allgemein die gewaltsame Steuerexekution durch Soldaten - auf andere Geldmittel angewiesen. Um an Geld zu kommen wurde 1637 erstmals die Wein- und Bierakzise verpfändet,22) ferner wurde, abhängig von der noch fehlenden Summe, die Geldleihe von wohlhabenden Bürgern gegen einen festen Zins oder gegen einen Nutzungsabtrag der Gemeindeweiden an der Ruhr praktiziert. Diese Praxis fängt schon 1622 mit der Aufnahme einer noch geringen Summe an,23) doch die Summen erhöhten sich mit der Zeit. 1623 nehmen die beiden Mitbürger Adolf Bülbering und Johansen von dem Broike aufgrund ihrer Bürgschaft eine Summe von 100 Reichstalern bei Dortmunder Bürgern auf. Sie haften unbeschränkt mit ihrer Habe, daß diese Summe samt laufender Zinssumme von monatlich einem Reichstaler zurückgezahlt wird. Zur Absicherung der beiden Gemeindebürgen wird auch ihnen ein Gemeindegrundstück als Faustpfand verpfändet, nämlich die “gemeine Weyde dieser seits der Rhur, zwischen den Brüggen gelegen, die Steinen genannt”.24)

In vergleichbarer Weise verhielten sich die Gemeindevorsteher der Stadt Schwelm, indem sie indirekte Steuern - wie die Braukessel-, Zoll-, Wegegeld-, Mühlenteich- und Getreideakzise - verpachteten, ferner die direkten Steuerschatzungen den Umständen entsprechend erhöhten. Da auch sie mit Zahlungsunfähigkeiten oder Steuerausfällen wegen wüster Höfe umgehen mußten, wurden zusätzlich noch Geldsummen zur schnellen Abhilfe aufgenommen.25)

Über die Auswirkungen dieser beständigen Besteuerung wird noch zu sprechen sein. Erstaunlich ist jedenfalls das Ausmaß der gemeindlichen Selbstverwaltung in Wetter und Schwelm bezüglich der Erhebung und Ablieferung von Steuern, bei der Überbrückung von finanziellen Engpässen und auch hinsichtlich des Umganges mit den fremden Kriegsvölkern. Hatte die Gemeinde die Lasten bezüglich der Städte und Freiheiten in der Grafschaft Mark zu tragen, wurde sie zumeist nicht mehr für die eigentliche Kriegssteuer des Amtes herangezogen.26)

In vergleichbarer Weise ist die Besteuerung der Untertanen im gesamten Amt Wetter abgelaufen. Auch hier wurde dem Amt von der Gesamtsumme der Grafschaft eine gewisse Quote auferlegt, die dann nach Dortmund, Hamm oder Lippstadt geliefert werden mußte. Die geforderte Geldsumme wurde dann gemäß dem alten Verteilungsschlüssel auf die Gerichte des Amtes repartiert.27)

Innerhalb der Gerichte wurde die Besteuerung dann unter Mithilfe der Bauerschaften durchgeführt.28) Die oben schon für Wetter und Schwelm getroffene Feststellung der finanziellen Überbeanspruchung der Untertanen läßt sich in gleicher Weise auch für die Pächter und Inhaber der Hofstätten in den Bauerschaften des Amtes Wetter treffen. Konnte hier die Steuersumme nicht aus dem Erwerbsgewinn vollständig erlegt werden, so war die Folge eine allmähliche Verschuldung der Privathaushalte und der Bauerschaften.29) Über den Zustand der Landbevölkerung am Ende des Dreißigjährigen Krieges geben uns die Steuerstreitakten von 1645 einen tiefen Einblick.30)

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges kam es zu gewaltigen Machtverschiebungen in der Hellwegzone, die bis ins Amt Wetter spürbar wurden. Ich hatte schon von der starken Präsenz der spanisch-neuburgischen Truppen bis ins Jahr 1624 gesprochen, dennoch darf nicht vergessen werden, daß Christian von Braunschweig (“der tolle Christian”) eine verwegene Kriegsführung im Münsterland schon 1621 begann und seine Truppen auch die Grafschaft Mark bedrohten, vor allem nachdem Soest im Januar 1622 eingenommen wurde.31) Von festen Stützpunkten aus begann Christian von Braunschweig einen Raubzug nach dem anderen, wobei auch aus Dortmund Geldmittel erpreßt wurden, die Eroberung der Stadt aber an plötzlichem Glatteis scheiterte.32) Aus Essen bezog Christian hunderte von Musquetten, ehe die Spanier diesen Handel unterbanden.33) Insgesamt berührten die westfälischen Kriegszüge Christian von Braunschweigs nur die nördlichen Grenzgebiete der Grafschaft Mark, so daß die langfristige Besteuerung der Untertanenschaft zunächst hauptsächlich auf die spanisch-neuburgische Kriegspartei und vereinzelt auf kaiserlich-ligistische Heerführer bis 1624 beschränkt blieb.34)

Trotz einiger Lücken in der Aktenüberlieferung muß festgestellt werden, daß die hohe Besteuerung auch in den Jahren 1625 und 1626 anhielt, wobei insbesondere ligistische Regimenter des Obristen Dietrich Othmar von Erwitte, bzw. in Schwelm auch die Soldaten des Grafen von Isenburg unterhalten werden mußten.35) Die Situation blieb bis 1629 angespannt, wobei nach wie vor eine regionale Zuordnung von Kriegsparteien bestehen blieb. Hierfür war der Besitz befestigter Orte wichtig, so daß spanisch-neuburgische Truppen über Essen, Hattingen und das Herzogtum Berg den Nordwesten, kaiserliche Truppen die Region zwischen Dortmund und Altena, holländische Truppen aber den Nordosten der Grafschaft Mark dominierten, obwohl hier die Lage häufig wechselte.36) Der Kurfürst von Brandenburg, der in dieser Lage als Landesherr in der Grafschaft Mark kaum Herrschaft ausüben konnte, versuchte verzweifelt mit seinen holländischen Bundesgenossen (Bündnis vom Oktober 1624) die Herrschaft wieder zu erringen, doch bis auf wenige Erfolge im Nordosten der Grafschaft Mark Ende 1624/Anfang 1625 scheiterte dieser Versuch, so daß seit dem Düsseldorfer Vertrag zwischen Pfalz-Neuburg und Kurbrandenburg vom 9. März 1629 der Weg der Neutralität gesucht wurde.37) Dies bedeutete nichts anderes, als daß man sich als handelnde Kriegspartei nun vorerst verabschiedete und den Weg der Diplomatie beschritt, wobei aber die Grafschaft Mark beständig von fremden Truppen besetzt blieb. In dieser Zeit litt die Grafschaft unter einer doppelten Kontribution, die einerseits an holländische Regimenter geliefert werden mußte, andererseits an die kaiserlichen Truppen. Eine Abrechnung für die Einnahmen und Ausgaben für den Zeitraum vom 4. Januar bis 27. September 1627 belegt den andauernd hohen Verwaltungsaufwand für die anwesenden Truppen des Hauptmanns Bree [Brede] und für die Erledigung der Steuergeschäfte. In diesem Zeitraum wurden 35 Reichstaler aufgewandt, hauptsächlich für Botengängen im Amt Wetter, aber auch nach Schwerte “wegen der Neutralitet”, nach Unna-Maasen und nach Düsseldorf.38)

Erst ab 1633 liegt für das Amt Wetter eine bessere Quellenlage vor, so daß ein Sprung in dieses Jahr unversehens zugleich den Wechsel von einer kaiserlichen Dominanz in der Grafschaft Mark zu einer schwedisch-hessischen Übermacht, die vor allem durch den Besitz der wichtigsten Festungsstädte Dorsten und Lippstadt und der Städte Dortmund, Hamm und Soest abgesichert war.39) Mit großem Selbstvertrauen forderte Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel von den märkischen Ständen eine hohe Geldsumme zu seinem Truppenunterhalt und bezog sich auf Zahlungen an den Grafen von Pappenheim im Jahr zuvor. Der Landgraf bemerkte, daß zwar die Grafschaft sich auf die Neutralität gezogen hätte, doch Neutralität bedeute für ihn nichts anderes, als daß bei beiden Kriegsparteien Gleichheit gehalten werde. Den märkischen Ständen wurde eine Bedenkzeit von acht Tagen gelassen. Der Landgraf drohte, daß man sich widrigenfalls selbst bedienen werde und diese Summe “vermittelst scharffer militarischen Execution einbringen lassen, die dan unausbleiblich erfolgen und euch zu schlechtem Vortheil gedeyen würd”.40) Die schutzlose Grafschaft antwortete durch Abgeordnete in Bocholt am 9. März 1633 und offerierte dem Landgrafen 10000 Reichstaler mit der Bitte um weitere Verschonung.41) Diese Summe wurde durch die Gesandten der Landstände “mühesamblich vermittelt, und einmal für all abgehandelt”, doch die Städte und Freiheiten richteten sich in ihrer untereinander gepflogenen Kommunikation auf einen nötigen Steuerbetrag von 12000 Reichstalern ein, denn die Gesandtschaftskosten und die bei den Verhandlungen versprochenen Verehrungsgelder mußten gleichfalls bezahlt werden.42) Nach der “uralten Landtsmatricul” stellten sich die Städte und Freiheiten auf einen Gesamtbetrag von 1000 Reichstalern ein, der dann unter allen Städten und Freiheiten repartiert werden sollte, ausgenommen Bochum, Wattenscheid und Hörde, die wegen ihres “eussersten Ruins, Verderbs und Verwüstungh” diesmal nichts beitragen sollten. Bei dieser Gelegenheit erinnert die Stadt Hamm alle sä umigen Zahler an die Rückstände der Steuerquoten für einen Steueranschlag vom 28. Dezember 1632.43) Während sich die Freiheit Wetter mit der Bezahlung der hessischen Kontribution arrangierte erlebte die Stadt Schwelm die Kriegsdrangsale seitens des kaiserlichen Generalwachtmeisters Lothar von Bönninghausen, der im April 1633 aus dem Bergischen Land jeweils die Stadt um Kontributionen anging und Soldaten einquartierte.44) Eben dieser Bönninghausen war es auch, der am 22. November 1633 in der kleinen Grafschaft Hohenlimburg auftauchte und durch die Drohung einer Beschießung die Übergabe des Schloßes erzwang.45) Dies hatte zur Folge, daß nicht nur die Witwe Johanneta Elisabeth von Bentheim-Limburg ihren gräflichen Witwensitz verlor, sondern auch das Amt Wetter stets von streifenden Trupps dieses Reitergenerals bedroht war. Seine Spezialität war offensichtlich die Verschleppung von Untertanen, um Kontributionszahlungen wirkungsvoller zu erpressen - doch dazu später mehr. Mit 1633 begann eine Periode stärkerer Einquartierungen und Steuerbelastungen, einerseits wegen der nahen Truppen Bönninghausens in Hohenlimburg, andererseits wegen der militärischen Machtstellung der schwedisch-hessischen Truppen im größten Teil der Grafschaft Mark. Als der schwedische Feldmarschall Dodo von Kniphausen dann aber versuchte, sich mit einer großen Armee in das märkische Winterquartier zu legen, mußte er doch aus der schon von den Hessen belegten Grafschaft “Hunger und Kummers halber” wieder weichen.46)

Hier soll mit der chronologischen Darstellung der wechselnden Kriegsparteien in der Grafschaft Mark zunächst abgebrochen werden. Es dürfte deutlich geworden sein, daß die außerordentliche Kriegssteuer, die auf dem Wege der uralten Matrikelumlage ausgeschlagen wurde, wegen ihrer Höhe und Häufigkeit zu einer dauernden finanziellen Überforderung der Menschen führte. Neben der geregelten Steuererhebung und -weiterleitung mußten auch solche Ausgaben einkalkuliert werden, die dadurch nötig wurden, daß Soldaten unversehens auftauchten und ihre Beköstigung forderten. Der Steuereinnehmer Dietrich Schneider schrieb etliche solcher Aufwendungen für das Jahr 1635 auf. Neben zahlreichen Botengängen - jetzt auch nach Hohenlimburg - mußten viele Soldaten des schwedischen Obristen Wendt zum Krassenstein beköstigt werden: “Item für die Gemeine ausgelegt 16 lb. [Pfund] Specks, 32 lb. Brodt, die Cratzensteinischen fur der Pforten damit zu speysen”.47) Wenig später tauchte ein Hauptmann auf, “so hie exequiren wollen”, d.h. derselbe wollte gegen Quittung von den Eingessenen der Freiheit und des Dorfes Wetter Geld oder Güter erhalten. Die Gemeinde handelte aber mit demselben gütlich und veranlaßte ihn, lieber nach Volmarstein weiterzuziehen. Dafür erhielt er einmalig fünf Reichstaler und ein Quantum Branntwein, das nach Volmarstein geliefert wurde. Ein anderes Mal tauchten etliche Offiziere vor der Pforte auf und vertranken dort auf Kosten der Eingesessenen für 16 Schillinge Bier. Nach kurzer Zeit wiederholte sich dieses Spektakel. Erst erhielt Rittmeister Zivert für einen Reichstaler und 32 Schillinge Bier ins Richterhaus geliefert, wo er sich offensichtlich einquartiert hatte, dann mußte noch das Faß mit fast 20 Schillingen in Anschlag gebracht werden, weil er dasselbe nicht zurückgab, schließlich mußten drei Tage später etliche Offiziere erneut vor der Pforte mit Bier und “Tuback” im Wert von 29 Schillingen versorgt werden.48)

Die steuerliche Beanspruchung der Einwohner stieg wohl ständig, doch der Ertrag der Steuerschatzung war häufig nicht ausreichend, so daß erneut zur Praxis der Geldleihe gegriffen wurde.49) Wenn die Steuerpflichtigen nicht zur Erlegung ihrer Steuersumme in der Lage waren, wurden die Fehlbeträge in einer sogenannten Restanten-Liste verzeichnet. Aus solch einer Liste geht nicht nur hervor, daß wohl fast alle Steuerpflichtigen in Wetter rückständig waren, sondern daß die kleinen Zusatzdienste - meist Botengänge - nicht immer bar bezahlt und manchmal auch kein Zehrungsgeld mitgegeben wurde. Diese Leistungen wurden aber dennoch verrechnet, indem die Steuerrückstände um eine gewisse Summe verringert wurden. So heißt es beispielsweise beim Steuertermin vom 12. Dezember 1639: “Borggreve [...] 40 ½ Schilling, hat dies wegen der salva guard einbehalten”, dann “Althaus hat gekürtzet das er den Reutern den Wegh geweiset”. Ähnlich sind die Eintragungen zum Steuertermin vom 2. Juni 1640: “Peter Nelcken gekürtzet, so die Dortmundische Soldaten verzehrt”, dann “Wilhelm Aldemarck, so gekürtzet wegen Kostgeldes [...] Jasper Kremer so gekürtzet wegen der Soldaten Kostgelt”. Diese Eintragungen sind wichtig, denn sie belegen, daß nicht nur Dorf und Freiheit Wetter Ausgaben wegen eines Schutzbriefes (salva guard) hatten, sondern weitverbreitet Soldaten bei den Einwohnern lebten. Eine systematische Auswertung dieser Akte ergibt, daß einerseits erhebliche Steuerrückstände bestanden, andererseits aber doch die Gemeinde unentgeldlich erhebliche Lasten trug, die bei einer Gruppe von Personen zur Reduzierung der Steuersumme führte bzw. ein Anwachsen der Rückstände verhinderte.50) Es darf nicht der Eindruck entstehen, als ob diese Kürzungen der Steuersumme in erheblichem Umfang vorkamen, doch immerhin ist bemerkenswert, daß immer wieder die gleichen Namen auftauchen. Bei 88 verzeichneten Steuerterminen zwischen dem 5. Juli 1637 und dem 2. Juni 1640 haben wir interessanterweise nur Reduzierungen der Steuersumme bei Gütern in der Freiheit, nicht aber ein einziges Mal im Dorf Wetter. Die Güter in der Freiheit - hier sind in der Regel nicht mehr als 35 mit Restanten verzeichnet - haben ggf. eine privilegierte Stellung was die Dienste und Pflichten betraf. Die Güter im Dorf - hier sind in der Regel nicht mehr als 17 mit Restanten verzeichnet - konnten also nicht in gleicher Weise wie die Güter in der Freiheit mit dieser Praxis belegt werden.51) Letztlich zeigt die Restantenliste die hohe Gemeindeverschuldung, wenn insgesamt bei manchen Steuerterminen bis zu 51 Güter in Dorf und Freiheit Wetter mit Rückständen verzeichnet sind. Da es auch noch häufig immer dieselben Güter sind, laufen mit den Jahren die Steuerrückstände auf, so daß am Ende des Krieges Überlegungen einsetzen, wie mit den Steuerrückständen verfahren werden soll, falls z.B. ein Gut längere Zeit unbewohnt oder gar völlig verfallen war, aber natürlich laut Steueranschlag die Steuerpflicht geblieben war und somit dieses Gut immer wieder mit neuen Rückständen in der Restanten-Liste auftaucht. Einen guten Einblick in diese Problematik bietet uns die Aufstellung zum Gut Wiggenhagen. Schon die Restantenliste von 1637-1640 zeigt bei einfachem oder doppeltem Schatz immer 6 bzw. 12 Schillinge Rückstand. Dieser Rückstand summierte sich dann bis zum 23. Juni 1640 auf über zehn Reichstaler. Da dieses Haus bis 1655 wüst und unbewohnt blieb einigte sich die gesamte Gemeinde für diesen wie auch für ähnliche Fälle, daß nach 1640 für alle wüsten Güter nur jährlich ein Reichstaler als Steuerrückstand berechnet werden durfte. Das Wiggenhagen-Gut war damit 1655 mit einem Steuerrückstand von 25 Reichstalern und 30 Schillingen belastet.52)

2. Die Plünderung (mit Quittung)

Für die Einwohner des Amtes Wetter wurde es zur bedrohlichen Handlungsweise der Kriegsparteien, daß bei zu geringer Zahlung der Kriegssteuern selbständig zur sogenannten Steuerexekution geschritten wurde, die nichts anderes als eine Ausplünderung der Untertanen war. Diese Plünderung wurde aber - es erscheint durchaus paradox - häufig ordentlich quittiert, so daß letztlich diese Ausplünderung der Steuersumme angerechnet werden konnte. Das hier die Scheidelinie zur gewalttätigen Ausplünderung mit allen erdenklichen Übergriffen auf die Menschen - Brandschatzung, Folter, Vergewaltigung, Mord - schwierig ist, muß nicht eigens erwähnt werden. Die Drohung mit einer eigenständigen Steuerexekution der Truppen war demgemäß äußerst wirkungsvoll, wußte man allgemein um die Gefahr einer durchs Land ziehenden Truppe und man wollte sich die eigenständige Verwaltung des Steueraufkommens im Amt bzw. in der Gemeinde auch nicht entziehen lassen.53)

Wie solch eine Steuerexekution im Einzelfall ablief gibt uns die Quittung für ausgeplünderte Höfe in der Grafschaft Hohenlimburg preis. Kurz vor dem Friedensschluß 1648 fiel der hessische Rittmeister Eyles mit 13 Soldaten in den “nidersten wescheder Hof” ein. Der Bruder des Hofinhabers wurde gefangengenommen - offensichtlich nach Kassel verschleppt - und die Beute wurde ordentlich quittiert. Zunächst führt die Quittung vier Schweine auf, deren Verkaufserlös mit 8 ½ Reichstalern angegeben wird, ferner werden alle möglichen Kleidungsstücke und Hausratswaren angeführt, letztlich auch “4 kannen Butter”.54) Am folgenden Abend wurde die Plünderung auf dem “obersten wescheder Hof” fortgesetzt. Dort entwendete man u.a. Bettlaken und eine Axt; die Soldaten blieben die Nacht und haben dort “gefressen und gesoffen”.55) Die Gräfin Johanneta Elisabeth schrieb aufgrund dieser Plünderungen und wegen der Menschenverschleppung an die Regierung in Kassel. Von dort erhielt sie entschuldigend zur Antwort, daß diese Maßnahmen möglicherweise mit dem “grossen Mangels zu nothürfftigen Unterhalt der Soldatesque” zusammenhängen würden.56)

Unter solchen oder ähnlichen Umständen wurden ganze Bauerschaften ausgeplündert. In den Steuerstreitakten von 1645 wird die Bauerschaft Asbeck im Gericht Volmarstein/Herdecke benannt. Diese ohnehin kleine Bauerschaft sei von “kayserischen Fouragier” ganz ausgeplündert worden. Dies bestätigt auch die Aussage des Pächters Dietrich Bierman zu Asbeck: “Die Fouragierers [...] hetten ihme seines Viehes und alles, was gehabt, beraubt”.57) Ein weiteres Beispiel aus Asbeck verdeutlicht, welche persönlichen Konsequenzen drohten, falls die Kriegssteuer nicht bezahlt wurde. Ennecken Küper wurde von hessischen Soldaten verschleppt und ihrer Kühe beraubt, weil sie keine Steuerquittung über die von ihr tatsächlich bezahlten 12 Reichstaler vorweisen konnte. Diese Steuerquittung hatte ihr angeblich der Steuereinnehmer Caspar Reinermann vorenthalten.58)

Die stete Angst vor geschwinder Steuerexekution ist in den Akten des Stadtarchivs Wetter allenthalben zu spüren. Dies wird insbesondere 1638 deutlich, als die Frage der Steuerleistung an kaiserliche Kriegsvölker zu Essen aufkam.59) Zu dieser Zeit war die Gemeinde Wetter ohnehin durch die einquartierten Soldaten extrem belastet. So mußten die Einwohner in Wetter für die Soldaten über 500 Reichstaler in nur 24 Tagen aufbringen. Zusätzlich lief wegen einer Schädigung “an Kornfruchte und Hewgewechs im Felde” ein Schaden von etwa 100 Reichstalern auf. Auch zusätzliche Exekutionen forderten nicht nur den reinen finanziellen Aufwand, sondern auch manchen Schaden, der dabei angerichtet wurde.60) Ähnliches hören wir auch vom hessischen Rittmeister Peter ter Maet, der zur Eintreibung einer ihm zugewiesenen Steuerschatzung von 1641 mit erheblichen Drohungen aufwartet und die militärische Exekution 1643 mit allen Folgen in Aussicht stellt.61)

Die militärische Steuerexekution wird möglicherweise im Zuge der allgemeinen Verelendung der Bevölkerung in den letzten zehn Kriegsjahren besonders große Ausmaße angenommen haben. Wenn 1645 der Richter zu Hagen Eberhardt Wortmann schreibt, daß die jährlich obliegende Steuerzahlung an die Kriegsparteien den Wert der im Gericht Hagen vorhandenen “Bestialien” (d.h. Kühe) übersteige und ferner die Privatverschuldung der Eingesessenen ungekannte Höhen erreicht habe, so macht dies deutlich, daß jenseits aller Möglichkeiten von Steuererhebung und Geldleihe die Kriegssteuer in vollem Umfang nicht zu leisten war, so daß letztlich die gewaltsame Exekution bzw. Fouragierung durchgeführt wurde, um die Bedürfnisse der Truppen zu befriedigen.62) Eberhardt Wortmann war schon im September 1636 vom Rentmeister zu Wetter gegenüber der Regierung in Kleve und insbesondere gegenüber Graf Adam von Schwarzenberg für Tod erklärt worden, da er auf der Flucht vor kaiserlichen Soldaten aus Hohenlimburg, die zur Eintreibung von Steuern aufgetaucht waren, einen tödlichen Sturz gehabt haben soll. Der Rentmeister teilt diese Begebenheit der Regierung mit, um sich selber zum Richterdienst in Hagen vorzuschlagen. Tatsächlich wird Johann Kremer - in Unwissenheit der tatsächlichen Begebenheiten - später vom Kurfürsten Georg Wilhelm bestallt, doch diese Bestallung tritt aufgrund der Genesung von Richter Wortmann nie in Kraft.63)

Interessant an dieser Geschichte ist die offensichtlich panische Flucht des Richters Wortmann angesichts der herannahenden kaiserlichen Soldaten. Der Richter war sich darüber im Klaren, daß die Soldaten im Falle einer ungenügenden Steuerleistung der Einwohner zu Hagen ihn nach Hohenlimburg verschleppen würden, so daß seine überstürzte Flucht und sein Sturz durchaus nicht verwundern.64) Diese Begebenheit, so undurchsichtig sie wirkt, gibt erneut Anlaß über die weitverbreitete Praxis der Verschleppung von Menschen - der sogenannten Ranzionierung - zu sprechen. Letztlich waren die Soldaten offensichtlich stets der Meinung, daß die Bevölkerung eiserne Reserven in Wald- oder Hausverstecken hatten, an die man sukzessive gelangen wollte. War im Rahmen der bislang geschilderten Steuererhebungs- und Exekutionspraxis eine Folterung zum Zwecke der Entdeckung dieser geheimen Reserven nicht angetan, so war doch im Rahmen der Steuerexekution die Praxis des Menschenraubes akzeptiert und üblich. Die Soldaten gingen folgendermaßen vor: Wurde eine Steuersumme nicht entrichtet oder lohnten die vorgefundenen Güter nicht die Exekution, so verschleppte man einfach Bauern oder Gemeindevorsteher zur nächsten Garnison. Dort verblieben die Verschleppten bis zu ihrer Auslösung, die auf dem Verhandlungswege erfolgte. Dabei wurde eine Summe ausgehandelt, gegen deren Bezahlung der bzw. die Verschleppten entlassen wurden. Wir haben schon von Ennecke Küper aus Asbeck gehört, die für ein halbes Jahr ihr Gut verlassen mußte, weil sie von hessischen Exekutoren nach Kassel verschleppt wurde.65) Für diese Praxis gibt auch Gerd Helbeck etliche Beispiele, so die Geiselnahme des Peter Tacke von schwedischen Soldaten 1632, die Verschleppung des Bürgermeisters Arnold Bergmann und des Rentmeisters Hildebrand auf dem Kolcke durch Bönninghausens Soldaten nach Hohenlimburg 1633,66) ferner die Flucht etlicher Gemeindevorsteher nach Elberfeld 1635 wegen einer befürchteten Ranzionierung. Im Jahre 1640 wurde erneut Arnold Bergmann gefangen weggeführt, da die Kontribution erst zur Hälfte bezahlt war.67)

Das die Menschenverschleppung ein allgemeines Phänomen war, belegen ähnliche Berichte aus Essen, wo es häufig zur Verschleppung nach Kaiserswerth kam oder die immer wieder beklagte Verschleppung durch hessische Soldaten nach Kassel.68) Zum Bereich der Menschenverschleppung gehört auch die mehr oder minder gewaltsame Wegnahme von Bauerssöhnen in den Kriegsdienst. Die lahme Witwe Trine berichtet, daß sie zwei Kinder habe, “deren ein in den Krieg gezwungen”.69) Auch die Witwe Else auf dem Voß berichtet, daß ihr ältester Sohn “von Capitein Sibergs Volck genohmen und in den Krieg gezwungen” wurde.70) Ähnlich klingt die Aussage der Witwe Strattman: “Der Leuthenand Becker [habe] ihren Sohn in den Kreig gezwungen”.71) Die Fälle legen den Schluß nahe, daß Witwen sich besonders schwer bei der Zurwehrsetzung bei erzwungenem Kriegsdienst taten. Die kümmerlichen Verhältnisse trieben darüberhinaus etliche Landeskinder in den Waffendienst, so zwei Söhne von Diederich Schulte: “hat 4 Kinder, deren 2 zu Colln dienet”.72) Diese Bemerkungen sind nicht zu quantifizieren, denn die Abfrage der kurfürstlichen Kommissare im Steuerstreit erfaßte mehr zufällig diese Facette des Krieges, wenn es um die Kinderzahl ging. Auf diese Frage antworten etliche Personen mit der Unterscheidung zwischen unmündigen, erwachsenen oder auswärtigen Kindern, ohne daß bei Letzteren klar wird, wo sie verblieben sind und ob sie ggf. in Kriegsdienste eingetreten waren. Der Hattinger Pastor Hermann Mercker berichtet 1622, daß die spanischen Truppen Sonntags in die Kirche kamen und Männer zum Kriegsdienst musterten.73)

3. Der gewalttätige Überfall

Bisher wurde von dem ordentlichen Steuersystem und der erzwungenen Steuerexekution gesprochen, doch neben diesen geregelten Verfahren der Truppenunterhaltung gab es den Bereich der Ausschreitungen und gewalttätigen Überfälle mit dem Ziel der schnellen Beute oder der grausamen Quälerei. Dieser Bereich ist u.U. von der ordentlichen Steuerexekution nicht leicht zu trennen, denn bei einer erheblichen Verrohung der Sitten kam es schon bei der Steuerexekution zu Brandschatzungen. Ein gutes Beispiel dieser schwer zu ziehenden Grenze bildet das “kostbarliche Winterquartier” des Lothar von Bönninghausen in der Grafschaft Mark vom Herbst 1629 bis Frühjahr 1630. In dieser Zeit soll er bei insgesamt fünf Märschen nach Hameln, Hildesheim und Osnabrück aus den märkischen Ämtern Altena und Wetter insgesamt 1500 Pferde und unzähliges Vieh fortgetrieben haben.74) Ob die Bemerkung der Ausplünderung der Bauerschaft Asbeck durch kaiserliche Fouragier auf Bönninghausen gemünzt war, ist nicht gesichert, doch in den Steuerstreitakten finden sich unzählige Belege über fortgetriebene Pferde und Kühe durch die Soldaten, ohne aber einen Bezug auf solch übergreifende Truppenbewegungen herzustellen.75)

Die Durchzüge der Truppen führten immer wieder zu bedrohlichen Situationen, so wie dies aus dem Amt Wetter und dem Amt Altena bekannt ist.76) Schlimmer noch waren die besonders gefährlichen Einfälle fremder Kriegsherren aus den Grenzregionen der Grafschaft Mark. Die besonders gefährdete Lage der Schwelmer Gegend liegt aufgrund der nahen bergisch-märkischen Grenze auf der Hand. Am 15. August 1635 rottete sich im Unterstift Köln eine Schar von 200 Reitern unter dem Befehl von Clasken von Beleck und Cort von Misten zusammen und fiel plündernd in die Grafschaft Mark ein. Die Beamten berichteten an den Kurfürsten in Berlin, daß diese Truppe, gegen die die Grafschaft völlig wehrlos war, insgesamt sieben Ämter ausgeplündert habe und dabei 300 Pferde mitnahmen. Es kam im Zusammenhang dieses Überfalles zu Ausschreitungen gegen katholische Kirchen, indem dieselben ausgeraubt und niedergebrannt wurden.77) In Castrop wurde zu Maria Himmelfahrt ein Kommunikant tödlich verletzt, während sich der Priester in den Glockenturm flüchten konnte. Ein Knecht, der sich vor der Kirche ergeben wollte, wurde erschossen und eine Frau wurde im Felde “violiert”, d.h. vergewaltigt. Die Beamten schildern ferner, daß dem Landsyndikus seine Akten geraubt und ohne Rücksicht auf Pestkranke Flecken und Städte ausgeplündert wurden.78) Die gewalttätige Aktion wurde von kaiserlicher Seite schließlich mißbilligt und die Anführer wurden in Altena inhaftiert, doch die Beamten entrüsten sich, daß der Hauptschuldige nach kurzer Zeit der Haft entlassen und sogar als Rittmeister in kaiserliche Dienste trat.79)

In der spanisch-neuburgischen Vormacht zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges kam es aufgrund der konfessionellen Frontstellungen zu erheblichen Eingriffen in den Kultus der märkischen Gemeinden, welcher überwiegend reformiert oder lutherisch war. Im Zusammenhang der gewalttätigen Eingriffe interessieren nicht die vielfach zu beobachtenden Absetzungen von Protestanten zugunsten von katholischen Priestern, sondern nur die außergewöhnlich gewalttätigen Vorgehensweisen. Bemerkenswert ist z.B., daß die Äbtissin zu Essen gegen ihre protestantische Stadtgemeinde explizit unter gegenreformatorischen Gesichtspunkten spanische Truppen ins Stift holte, die dann gemeinsam mit dem kurkölnischen Offizial die geistliche Gerichtsbarkeit und die katholische Messe erneut einführen sollten. Die Belastung durch die Einquartierten trugen selbstverständlich die Bürger der Stadt Essen.80) Von unmittelbarer Brutalität war die Vorgehensweise gegen den aus Ennepetal-Voerde stammenden Pastor zu Bochum Melchior Ebbinghaus. Als spanische Truppen 1623 das Amt Bochum besetzten und dort hart gegen die evangelische Gemeindeführung vorgingen, kam es zur Folterung von Ebbinghaus. Offensichtlich wurde er an einen Ofen gebunden, der dann angeheizt wurde. Mit erheblichen Brandverletzungen floh er aus dem Haus, war aber mit Sicherheit bis 1627 schon an den Spätfolgen verstorben.81) Auch in Gelsenkirchen soll es zur gewaltsamen Gegenreformation gekommen sein, wohingegen in Schwelm dieser Versuch letztlich an einem fast einheitlichen Festhalten der Stadtelite an der lutherischen Konfession scheiterte, ebenso offensichtlich auch ein ähnlicher Versuch in Wetter, wohin ein Jesuit im Februar 1629 abgesandt werden sollte.82) Die Standhaftigkeit der Schwelmer Stadtelite führte aber zu einer gewalttätigen Reaktion von kaiserlich-katholischen Soldaten, die ggf. von den örtlichen Katholiken herbeigerufen worden waren. Soviel steht jedenfalls fest, daß kaiserliche Truppen, die im Bergischen Radevormwald und in Lennep Quartier hatten, Ende Januar/Anfang Februar in Schwelm auftauchten und die Stadt “gantz und gahr” ausplünderten. Ihre Wut richtete sich dabei besonders gegen den exponierten Lutheraner Georg von Vaerst. Nicht nur wurde sein Haus ausgeplündert, vielmehr zerstörte der Gerichtsschreiber Busäus seinen Kirchensitz und Vaerst wurde gefangen weggeführt. Diese gewaltsame Vorgehensweise gegen das überwiegend lutherische Schwelm blieb zwar Episode, doch die Grenzlage zum Bergischen gab zur Vorsicht allen Anlaß und der Gemeinde entstand durch die Plünderung der große Schaden von 13327 Reichstalern.83) Die Brandfolter wie im Falle von Melchior Ebbinghaus war im übrigen nicht typisch spanisch, sondern wurde wohl von allen Seiten ausgeübt. Im Frühjahr 1637 sahen sich die märkischen Beamten dazu veranlaßt, wegen erheblicher Grausamkeiten der holländischen Truppen an den Kurfürsten zu schreiben. Der Kurfürst entschied, daß diese Exzesse durch eine Gesandtschaft an den Haag thematisiert werden sollten.84)

Die ganze Willkürlichkeit des Krieges bekam die Gemeinde Wengern zu spüren, als im Sommer 1634 eine streifende Rotte feindlicher Soldaten auftauchte. Diese Soldaten bedrohten die Einwohner, die sich - Sicherheit suchend - in das feste Gemeindegebäude geflüchtet hatten. Dort hielt sich auch der alte Pastor Johann Fabricius mit seinem Sohn und designierten Nachfolger Henrich auf. Um die drohenden Soldaten loszuwerden einigten sich die Eingeschlossenen, mit den Soldaten um ihren Abzug zu verhandeln, wofür ihnen ein Handgeld geliefert werden sollte. Als Henrich Fabricius sich am Fenster zeigte, um den angestrebten Akkord zu treffen, wurde er “zum größten Leidwesen des Vaters und der Gemeine von einem solchen Barbaren [...] erschossen”.85) Hermann Mercker ordnet diese Gewalttätigkeit den hessischen Truppen zu, die in großer Stärke in den Ruhrwiesen bei Stiepel lagerten.86) Eine zahlenmäßige Einordnung solcher Begebenheiten kann aufgrund der mangelnden Quellenbasis nicht erfolgen, doch wir können annehmen, daß hinter manch lapidarer Mitteilung in den Akten zum Steuerstreit 1645 ein gewalttätiger Überfall größter Brutalität steckt.87)

Ein Frage größter Tragweite ist, inwieweit die Menschen mit der Plünderungspraxis und mit den willkürlichen Gewaltmaßnahmen umgingen, vor allem weil ja die “Vorratsberaubung” wenn nicht unmittelbar, so doch mittelbar lebensbedrohlich war. Der Historiker Johannes Burkhardt spricht von Strategien, die die Bevölkerung auf dem platten Land entwickelte, um sich vor der Vorratsberaubung und der unmittelbaren Gewalt so gut es ging zu schützen. Er beschreibt den Ausbau eines regionalen Informationsnetzes, damit die Menschen über Truppenbewegungen möglichst frühzeitig informiert waren, so daß genug Zeit zu einer geregelten Flüchtungspraxis entweder in befestigte Städte und Burgen oder aber in abgelegene Wälder und Höhlen blieb.88) Auch Gerd Helbeck beschreibt die Ausprägung eines Frühwarnsystemes, das auf häufigen Botengängen basierte.89) Im Amt Wetter waren zwar mit der Stadt Schwelm und der Freiheit Wetter feste Plätze vorhanden, die mit einer Stadtmauer befestigt waren, doch ihr Schutzfunktion war bei einer ernsthaften Belagerung gering. Auch der Einzugsbereich der befestigten Plätze war meist nicht groß, so daß die überwiegende Mehrzahl der Menschen eine Flüchtungspraxis entweder in den Wald oder aber in Höhlen praktizierte. Die Bodenverschlechterung bei gleichzeitiger Beraubung von Saatgeräten und Saatgut führte im ganzen Amt Wetter zu einem Wechsel von intensiver Bodennutzung zu extensiver Bewirtschaftung mit Vieh, so daß eine Flucht mit dem Vieh praktiziert wurde. In diesem Zusammenhang muß auf die Fluchtpraxis in die Klutert-Höhle hingewiesen werden, die wahrscheinlich von Familien der Voerder und Mylinghauser Bauerschaft genutzt wurde. Johann Dientrich von Steinen hat auf die Nutzung der Klutert-Höhle als Fluchthöhle hingewiesen und dabei beschrieben, daß in der weitverzweigten Höhle einzelne Familien Seitenarme durch Bretterverschläge abgetrennt hatten und dort - auch mit Vorhängeschlössern gesichert - Güter aufbewahrten.90) Auch Alfred Blum erwähnt diese Kriegspraxis in seiner Chronik der Klutert-Höhle, doch er irrte durchaus in seiner Bewertung, daß sich nur die evangelische Bevölkerung dorthin vor den katholischen Truppen in Sicherheit brachte, denn die Bevölkerung hatte schnell erkannt, daß unabhängig von der Konfessionszugehörigkeit jede streifende Truppe große Gefahr bedeutete.91)

Zum Schutz der Freiheit Wetter gab es einen ordentlichen Wachtdienst, den sich Bewohner der Freiheit und des Dorfes fast gleichmäßig unterziehen mußten. Ein Versäumen der Wacht war unter eine Brüchtenstrafe gestellt. Tagsüber mußten ab 1632 stets sechs Eingesessene des Dorfes in der Freiheit Wachtdienst leisten; zur Nachtwache hielten die Bewohner der Freiheit die Wacht in der Freiheit, die des Dorfes eine Wacht auf dem dortigen Turm (Kirchturm). Als im März 1646 ein Streit über die Belastung wegen des Wachtdienstes ausbrach, verwiesen die Eingesessenen der Freiheit auf die Funktion der Wacht und auf den Schutz, den die Freiheit biete, wenn die Dorfbewohner bei Kriegseinfällen in die Freiheit flüchten konnten.92) Die Zugangsbrücke zur Freiheit blieb für Soldaten offensichtlich geschlossen, so daß man ihnen Speiß und Trank “vor die Pforte” reichte.93)

Die fremden Truppen in der Grafschaft Mark bedrohten nicht nur die einfache Bevölkerung in den Städten und Bauerschaften, sondern auch die exponierten Beamten des Landesherrn, seien es die Richter und Steuereinnehmer,94) oder die adligen Amtsdroste. Der Amtsdrost zu Wetter - Bernhard von Romberg - wurde als alter Mann zweimal zur Zielscheibe der kaiserlichen Offiziere, die in Dortmund ihr Hauptquartier hatten und ihn ganz offensichtlich für höchst widersätzlich hielten. Romberg gehörte einer alten Adelsfamilie an, die ihren Familiensitz in Unna-Maasen hatte. Buschmann rechnete die Familie zu den Anhängern der reformierten Konfession. Seine Amtsbestallung als Drost zu Wetter erhielt Romberg schon 1590 von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und amtierte in dieser Funktion trotz aller Wirren des Erbfolgestreites.95) Schon Bernhards Vater - Georg von Romberg - war Drost des Amtes Wetter gewesen und nachdem Bernhard von Romberg am 24. Mai 1639 gestorben war, bemühte sich seine Witwe Clara Christina Staell von Holstein um die Nachfolge im Drostenamt für ihren Sohn.96)

Im Vorfeld der Ausschreitungen gegen den Drosten Romberg kam es im Spätherbst 1636 zu militärischen Erfolgen des kaiserlich-kurbayerischen Feldmarschalls Graf Johann von Götz gegen Dortmund und in der Grafschaft Mark, so daß das hessisch-schwedische Übergewicht erneut zugunsten der kaiserlichen Truppen kippte. Die Beamten fürchteten im Frühjahr 1637, daß auf die Grafschaft Mark nun eine Verpflegung von etwa 40 Kompanien zukommen würde. Da dies wegen der “weltkündigen Armuth dieser Grafschaft” nicht geleistet werden konnte, versuchten die märkischen Beamten über eine Gesandtschaft zum Kurfürstentag nach Regensburg eine Milderung der Lage,97) doch dieser Versuch war im Ganzen erfolglos, so daß schließlich die Grafschaft Mark der Götzischen Armee 71000 Reichstaler bar erlegen sollte und zusätzlich große Mengen an “Kornfrüchten”, um ein Magazin aufzubauen. Diese Forderungen konnten die Beamten nicht erfüllen, denn das Getreide war wegen “mangels des taglichen Brodts nicht beyzubringen”.98) Dies führte zu einer erheblichen Spannung zwischen dem Grafen von Götz und den märkischen Beamten, die in seinen Augen durch ihre Handlungen offenbart hätten, daß sie sämtlich eher holländisch oder schwedisch affektioniert seien. Dieser Vorwurf wog außerordentlich schwer und eben in diesem Zusammenhang wird der Drost Romberg namentlich genannt. Viele wie Romberg würden dem Land durch unnötige Beschwernisse und eigentätige Versäumnisse schweren Schaden zufügen.99) Die konkreten Gründe, weswegen später so unfreundlich mit einer Standesperson umgesprungen wurde, liegen im Dunkeln, doch möglicherweise ging es um die Anwerbung einer Kompanie durch Bernhard von Romberg - dies freilich aus kurfürstlichem Befehl -, um Blankenstein zu besetzen und die Freiheit Wetter von den Goltzischen Soldaten, die dort als Garnison einquartiert waren, zu befreien.100) Jedenfalls wurde Bernhard von Romberg nach Berichten seiner adligen Standesgenossen im September 1637 wie ein Übeltäter verhaftet und offensichtlich nicht recht bekleidet - “ohn Mantel, Deegen , Pistollen, Stieffel undt Spoeren” - durchs Land “herumb geführet, hin und wieder gefencklichen angehalten,101) und dannenhero [von] dem gottlosen Gesindtlin der Courtaguarden [Korsaren/Croaten?], bey der Tubackpfeiffen” festgehalten. Aufgrund dieser unwürdigen Behandlung stellten sich adlige Unterhändler bei den kaiserlichen Offizieren in Dortmund ein, doch diese wurden mit “Maullschellen, prüggelen und schlagen” traktiert, so daß sie sich blutend zurückziehen mußten.102) Auf diese Begebenheit bezieht sich offensichtlich eine spätere Zusammenfassung, wobei es aber bezüglich des Jahres fälschlich bei 1636 heißt: “Dabei dan auch die Sommerquartieren mit etzliche hondertthausent Thalern und bethawrlichen [bedrohlichen] fangen und spannen der Beambten, als auch Apprüggelungh der Noblesse, haben müssen verrichtet werden”.103)

Obgleich offensichtlich Bernhard von Romberg - zu dieser Zeit wohl über Siebzig104)  - nach kurzer Zeit wieder freigelassen wurde, waren dennoch die Animositäten gegen seine Person und Amtsführung geblieben. Als Beleg hierfür mag die unnachgiebige Pfändung seines Adelsgutes in Unna-Maasen dienen.105) Auch hier ist der ausschlaggebende Grund nicht bekannt, es könnten aber rückständige Geld- oder Naturallieferungen dafür verantwortlich gewesen sein. Der Drost des Amtes Bochum - Wennemar von Neuhoff - berichtete dem Kurfürsten am 26. Januar 1638, daß drei Tage zuvor Graf von Götz seine Drohung gegen märkische Beamte wahr gemacht habe und das große Adelsgut des Drosten Romberg in Unna-Maasen ausplündern ließ. Aus dem Adelsgut, welches “occupiret, von Völckern belägert, undt von allem Vorrath undt Getraidt allerdings [...] entblösset”, nahmen die Soldaten erhebliche Mengen an Vieh mit. Eine Aufstellung zeigt, daß Romberg ein außerordentlich wohlhabender Adliger gewesen sein muß, denn aus seinem Gut wurden “6 Pferde, 30 Melckenkhue, 65 Schweine und über 400 Schafe” entwendet.106) In den Gravamina der märkischen Beamten von 1638 wird dieser Vorfall auch thematisiert. Dort wird auch darauf hingewiesen, daß neben dem Vieh auch etliche wertvolle Gegenstände nach Dortmund ins Hauptquartier verbracht wurden, ferner eine Besatzung auf Kosten Rombergs im Adelsgut zurückgelassen wurde.107)

Die vom späteren Richter Reinermann geführte Einnahmen- und Ausgabenrechnung für das Amt Wetter führt einige Posten auf, die eindeutig belegen, daß Bernhard von Romberg sich schon am 9. Februar vom Amt 166 Reichstaler als vorläufige Schadensdeckung auszahlen ließ, obwohl offensichtlich diese Steuer des Amtes eigentlich dem Feldmarschall Grafen von der Wahl zugedacht war. Aus dieser Quelle ist zwar der weitere Fortgang der Streitsache nicht ersichtlich, doch zumindest sind darin noch einige Ausgabeposten enthalten, die darauf hindeuten, daß Caspar Reinermann gemeinsam mit Rittmeister Stael und Obristwachtmeister Berchumb in Dortmund und Lübbecke Mitte Januar um die “Deoccupierung” des Hauses in Unna-Maasen verhandelte.108)

Zum Bereich der gewalttätigen Überfälle kann abschließend noch kurz darauf verwiesen werden, daß es zwar grundsätzlich in den deutschen Territorien erlaubt war, bei Übergriffen die räuberischen Soldaten festzunehmen, doch bei einem weitgehenden Fehlen von militärischen Exekutionstruppen war an eine Strafverfolgung nicht zu denken, so daß die Beamten in der Grafschaft Mark alles versuchten, um die Frage des Truppenunterhaltes soweit zu regeln, daß Übergriffe (beute-) hungriger Soldaten unterblieben. Die Quellen bieten somit auch für die ganze Periode des Dreißigjährigen Krieges nur einen Fall aus dem Amt Wetter, wo es zur Hinrichtung von vier Soldaten in Hagen kam, wobei Theis von Ende und seine drei Mitbeklagten wahrscheinlich sogar aus dem Amt stammten.109) Einen Mord in Hattingen - ein spanischer Soldat hatte seine deutsche Hure erstochen - wurde vom spanischen Untersuchungsrichter nicht weiter verfolgt; der mutmaßliche Täter lief weg und die tote Frau wurde vom Abdecker wie befohlen einfach in die Ruhr geworfen.110)

4. Die schreckliche Pestseuche

Die vielen Beispiele aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges haben bislang verdeutlicht, unter welch hohem Druck die Bevölkerung und die Verwaltungsbeamten standen, wenn es darum ging, über Jahre große Geldsummen und Naturalien vom Munde abzusparen und den Kriegsherren zu liefern. Die Verelendung der Bevölkerung führte dazu, daß nur wenig zum notwendigen Unterhalt der Höfe und zur Instandhaltung der Gemeindemark erübrigt werden konnte, ganz abgesehen davon, daß immer wieder Truppen direkt für Haus- und Flurschäden verantwortlich waren.111) Diese mittelbaren wie unmittelbaren Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges führten nicht zu übermäßig vielen Menschenopfern in der Grafschaft Mark - diese waren erst im Zuge der großen Pestwelle von 1636 zu beklagen. Die Pest - es handelt sich wohl meist um die Beulenpest - trat im Zuge der unhygienischen Bedingungen des Krieges durch die verbeiteten Ratten und durch die Übertragung auf dem Wege des Rattenflohes immer wieder auf. Die Erkrankung wurde offensichtlich, wenn Pestbeulen am Hals, unter den Achseln und in den Leisten sichtbar wurden sowie violett-schwarze Hautflecken auftraten. Zwischen Erkrankung und Tod lagen meist nur wenige Tage, so daß der schwarze Tod bei Unkenntnis der Ansteckungswege schnell epidemisch werden konnte. Eine Verdichtung zur Seuche läßt sich in den Jahren 1619/22 und 1635/36 ausmachen.

Einige Zahlen sollen belegen, daß die erste Pestwelle geringeren Ausmaßes war, dagegen die zweite Pestwelle eine demographisch spürbare Größenordnung erreichte. Die Literatur hält nur wenige Zahlenangaben für die erste Pestwelle, die etwa von 1619 bis 1622 währte, bereit. Immerhin spricht Gunnar Teske von etwa 300 Pesttoten 1620 in Schwerte. Auch in Unna und Dortmund habe die Pest Opfer gefordert, doch offensichtlich nicht so schlimm, denn im Kirchenbuch der Mariengemeinde steht, daß Gott “balde seine Rute eingezogen”.112) Die Pest ist auch für Lünen belegt und soll hier für den kurzfristigen Abzug holländischer Soldaten gesorgt haben.113) Darpe schreibt dramatisch für Bochum: “Der schwarze Tod, des blutigen Krieges wilder Genosse, mähte Scharen von Einwohnern dahin”.114) Auch Hattingen war ähnlich stark betroffen.115) Die erste Pestwelle betraf die Grafschaft Mark nicht gleichmäßig, vielmehr sind die südlichen Bereiche - insbesondere das Amt Wetter - weniger stark betroffen gewesen.

Die zweite Pestwelle von 1635/36 kann als eine verheerende Seuche angesehen werden, die überall ihre Spuren hinterließ. Der Hauptgrund hierfür liegt in dem nun vergleichsweise schlechteren Gesundheitszustand der Bevölkerung nach langen Jahren des Krieges und der Entbehrung, wobei auch diesmal die Truppenbewegungen für eine schnellere Verbreitung der Seuche sorgten. Johann Dietrich von Steinen hält für viele Orte der Grafschaft Mark Zahlen bereit, die als Orientierung dienen können. In Altena sollen in vier Monaten 687 Menschen der Pest erlegen sein, Breckerfeld war betroffen, Halver verlor 1100 Menschen. In Voerde verstarben die Pastoren Wippermann und Bülbering mit einem großen Teil der Gemeinde. Ähnliches trifft auch für Hohenlimburg zu.116) Im kurkölnischen Vest Recklinghausen sollen etwa 50% der Bevölkerung - Schätzzahlen sprechen von 1500 Personen - verstorben sein. Auch in Hamm, Dortmund, Bochum und Hattingen grassierte erneut die Pest.117) Eine Schwerter Chronik berichtet, daß die Pest zwei Drittel der Stadt geleert habe, obwohl hier natürlich eine Flüchtungspraxis in Rechnung zu stellen ist.118)

Auch für die Menschen im Amt Wetter war die Pestwelle von 1635/36 verheerend. Gerd Helbeck beziffert die Menschenverluste im Kirchspiel Schwelm mit 1000 Personen, die Steuerstreitakten weisen für das Gericht Hagen 2400 Menschen aus.119) Den Angaben von Johann Dietrich von Steinen zufolge waren die Bauerschaften Esborn, Silschede, Wengern und Albringshausen nahezu menschenleer. Die berühmten Pestpredigten des über 90jährigen Pastors Johann Fabricius fanden unter freiem Himmel statt, da die Kirchspielsleute aus Bommern, wo die Pest noch nicht so schlimm gewesen war, sich nicht mehr nach Wengern in die Kirche trauten. So ist Johann Fabricius seiner Gemeinde auf halbem Wege entgegengegangen und es wurde auf dem Höhepunkt der Epidemie Gottesdienst außerhalb der Kirche gefeiert.120)

Die Pest in der Freiheit Wetter war keineswegs weniger stark als anderswo, wie uns der eindrucksvolle Bericht der Ursula, Witwe des Evertz zum Berge, zeigt. Die Ereignisse während der Pest werden wegen eines Güterstreits im Jahre 1652 aufgerollt und nacherzählt.121) Als die Pest auch in Wetter ausgebrochen war, verstarb daran Henrich Fischers Ehefrau. Der alte Henrich Fischer, der im Haus mit seinem schwachsinnigen Sohn lebte, beauftragte Clara Arentz und ihre Tochter, seine tote Ehefrau auszukleiden, für die Bestattung vorzubereiten und in den Sarg zu legen, damit sie ehrlich bestattet werden konnte. Darüber seien, so wird in der Quelle berichtet, Clara Arentz und ihre Tochter ebenfalls an der Pest erkrankt und verstorben. Möglicherweise waren Mutter und Tochter Arentz schon krank in das Haus des Henrich Fischer gekommen. Die beiden toten Frauen lagen dann im Haus für drei Tage, ehe Henrich Fischer es schaffte, Ursula und ihren Ehemann zu überreden, ins Haus zu kommen und Mutter und Tochter Arentz zur Bestattung fertigzumachen. Dies war nicht einfach, denn offensichtlich hatte schon eine andere Frau - die Croner´sche122)  - die inständige Bitte um Hilfe abgelehnt. Ursula erzählt: “Endtlich bin ich Ursula, uff fleissigs Bitten Henrichen Fischers durch Wilhelm Aldemarck und den Fronen Johan Haberman begehrt worden ins Haus zu gehen und die Thodten auszukleiden, als aber bey der geschwinden pestilentialischen Gifft mich zwarn darin beschweret, doch mich bey solcher grossen Noth dahen bereden lassen und in Gottes Nahmen zu Trost des betrübten verlassenen Mans und Sohns heneingangen, beide Clara und ihre Tochter ausgekleidet”. Nachdem Ursula die Pesttoten eingesargt hatte, blieb sie wegen weiterer Bitten im Haus und verpflegte die beiden Hinterlassenen. Dies war eine schwere Aufgabe, denn “inmittels die Kriegsvolcker gar hauffig in die Freyheit kommen und bey solchem uberaus starcken Einfall in bemelten Fischers Haus uber hundert Man zu Ross und Fuess,123) im Haus, in Kammern, Stuben und uffm Balcken, Quartier gemacht, mich ubel tractirt und ins Fewer gestossen, daneben aller meiner Kleider verlustigt worden.” Die nun inzwischen selber an der Pest erkrankten Vater und Sohn Fischer wurden von Ursula trotz der schweren Einquartierung versorgt. Zuerst starb der Sohn nach fünf Tagen, dann nach acht Tagen auch der Vater. Die schwedischen Soldaten weigerten sich, die Toten bis zur Bestattung im Haus zu belassen und warfen sie vor die Türe - bei klirrender Kälte in Kot und Mist. Wegen des gefrorenen Bodens konnten die Toten nicht sofort beerdigt werden, so daß Ursula mit ihrem Ehemann sich gezwungen sahen, draußen bei dieser Kälte die toten Körper insgesamt fünf Tage zu bewachen; dies vor allem vor streunenden Tieren.124)

In der Auseinandersetzung um das Gut des verstorbenen Henrich Fischer standen sich schließlich im Jahre 1652 zwei streitende Parteien gegenüber, der erbberechtigte Thonisen zum Bruch, der nun die Rückgabe des Fischer-Gutes forderte und die Witwe Ursula, die über eine praktizierte christliche Nächstenliebe in den Besitz des Gutes gelangt war und schließlich über 15 Jahre diesen Besitz nicht nur innegehabt, sondern auch sämtliche Gemeindelasten - Kriegssteuern und Einquartierungen - getragen hatte. Der Streit führt schließlich dazu, daß Ursula alle seit 1637 aufgewandten Kosten auflistet und die Rückgabe des Gutes an einen Schadensersatz in Höhe ihrer Aufwendungen koppelt. In diesen 15 Jahren hatte Ursula Aufwendungen von insgesamt 259 Talern und 29 Schillingen. Die detailierte Auflistung der Soldaten, die bei ihr einquartiert waren ist hierbei von besonderem Interesse.125) Interessant ist aber auch, daß sie zwischen 1637 und 1647 zu insgesamt 436 Steuerterminen veranlagt wurde und daß sie in dieser Zeit regelmäßig nur für das Haus an jedem Termin vier Schillinge bezahlte. Die zum Fischer-Gut gehörenden Ländereien wurden ihrer Steuersumme nicht angelastet, sondern tauchen als Restanten in der Restantenliste gesondert auf, was darauf hindeuten mag, daß die Gemeinde die Ländereien getrennt vom Haus zu verpachten suchte.126) Mit den aufgeführten Steuerveranlagungen und den dargelegten Einquartierungsleistungen war die Witwe Ursula eine typisch betroffene Person im Amt Wetter. Der Streit um dieses Gut wurde nach hartem Ringen durch einen gütlichen Vergleich beigelegt, denn Thonisen zum Bruch war zur Rückzahlung der ausgelegten Gelder nicht in der Lage und mußte sich schließlich bereiterklären, gegen eine Abstandssumme von 40 Reichstalern sämtliche Ansprüche auf das Gut des Henrich Fischer fallenzulassen.

5. Von Steuerbefreiungen und Kriegsgewinnlern

Bislang wurden die vier Hauptmerkmale charakterisiert, die den Dreißigjährigen Krieg im Amt Wetter existenzbedrohend machten. Es handelte sich um die Aspekte der steten Besteuerung und Einquartierung, der geschwinden Steuerexekution, der gewalttätigen Ausplünderung und Brandschatzung und nicht zuletzt um die schwere Pestseuche, die zu Bevölkerungsverlusten in einem Rahmen von mindestens 25% führten. Nicht alle Bevölkerungskreise waren vom Krieg in gleichem Maße betroffen, so wie sich dies auch regional sagen läßt, denn hier waren die Bauerschaften an den Fernhandelsstraßen ungleich stärker betroffen. Der adlige Amtsdrost war hier sicher weniger betroffen als der steuerpflichtige Bauer. Am Beispiel des Bernhard von Romberg wurde aufgezeigt, daß selbst bei hohem persönlichen Schaden der Adlige doch in der Lage war, Geldsummen zum Schadensausgleich umgehend zu erhalten. Der Adel war auch in einer anderen Hinsicht bevorzugt, denn in der Regel waren die Adelsgüter nicht steuerpflichtig, sondern von den allgemeinen Steuerschatzungen befreit (exemt). Die gelegentliche Aufbringung von besonderen Rittersteuern wird vom Umstand kaum ablenken können, daß die Gruppe des niederen Adels aufgrund der Steuerbefreiung ihrer Güter besonders privilegiert war und somit nicht annähernd so stark unter dem Anziehen der Steuerschraube litt wie die Steuerpflichtigen.

Neben dem Adel profitierte auch eine andere Gruppe von Steuerbefreiungen. Es handelt sich um die Beamten der Amtsverwaltung (Richter, Amtsschreiber, Gerichtsschreiber) wie auch die amtierenden Bürgermeister der Städte.127) Die Steuerbefreiungen waren offensichtlich nicht unumstritten, was die häufigen Streitfälle um diese Befreiungen zeigen, ferner war auch nicht eindeutig geklärt, wieweit solche Steuerbefreiungen reichten, ob z.B. der Richter zu Wetter Johann Klöver keinerlei Lasten der Gemeinde tragen müsse, obgleich er Eingesessener der Freiheit war und zudem einer der reichsten Männer der Gegend. Die Gemeinde Wetter versuchte den Richter Klöver beim Kurfürsten zu verklagen, doch diese Bemühungen waren offensichtlich vergebens.128) Erst die Klageerhebung gegen seine Witwe (Anna Fabricius), die noch immer auf ihre Steuerbefreiung beharrte, führte zu eingehenden Ermittlungen.129) Im Rahmen der Frageartikel der Gemeinde wird zwar eingeräumt, daß man den Richter Johann Klöver von den “bürgerlichen Beschwerungen und Lasten freygelassen” habe, doch es wird gleichfalls behauptet, daß die Witwe nun versuche, aus dieser persönlichen Steuerbefreiung eine immerwährende Immunität zu machen, wobei vor allem mit der Adelsqualität ihrer Güter argumentiert werde. Die Gemeinde Wetter weist letztlich darauf hin, daß zwar wegen der verschiedenen obrigkeitlichen Reskripte der Richter zu Wetter von den Bürgerlasten zu Lebzeiten freigelassen worden sei, daß dies aber nach seinem Tode unwirksam geworden wäre und eben nicht “zum ewigen Praejuditz” gezogen werden könne.130) Die Entscheidung des gerichtlichen Streites liegt nicht vor, doch die Festsetzung einer definitiven Schuldsumme - rund 527 Reichstaler - und die ultimative Aufforderung zum Verkauf der klöverischen Güter an den Meistbietenden zur Schuldtilgung im Jahre 1694/95 läßt vermuten, daß hier tatsächlich die rückständigen Steuerschulden endlich beigebracht werden sollten. Auf dieselbe befreite Position weist der Versuch des Schwelmer Gerichtsfronen Essmann hin, der mit Hilfe des Reichskammergerichtes seine Steuerbefreiung durchsetzen wollte.131)

Die steuerbefreite Personengruppe war auch insofern in einer günstigeren Lage, weil sie ihre Amtsstellung vielfach zur Bereicherung mißbrauchen konnten. Dies ist wohl in einem erheblichen Umfang geschehen, wie dies z.B. Gerd Helbeck für Schwelm nachgewiesen hat. Die Klage, daß einige Steuereinnehmer der Bauerschaften sich nach kurzer Zeit dermaßen bereichert hätten, daß sie zu den reichsten Personen des Amtes gehörten,132) trifft in gleicher Weise auch auf den Richter zu Wetter Caspar Reinermann zu. Im Jahre 1664 wurden Anschuldigungen gegen den Reinermann laut, daß er sich durch seine Amtsstellung als Gerichtsschreiber zu Hagen und als Steuereinnehmer des Amtes im Dreißigjährigen Krieg bereichert habe. Zur Überprüfung dieser Anschuldigung wurde eine kurfürstliche Kommission eingesetzt, die sich aus lokalen Adligen und dem märkischen Syndikus Johann Friedrich von Omphal zusammensetzte.133) Zur Vorbereitung eines Beweisverfahrens wurde Reinermann im September 1664 zweimal befragt. Insgesamt mußte Reinermann 125 Fragen, die teils erhebliche Anschuldigungen gegen seine Person und Amtsführung bargen, beantworten. Die von ihm zurückgewiesenen Behauptungen wurden dann zum Gegenstand eines Zeugenbeweises, wobei sich die kurfürstlichen Kommissare nach etwa 50 Zeugen allmählich ein Bild von den Tatsachen machen konnten.

Der ganze Fall kann an dieser Stelle nicht eingehend geschildert werden, doch die Vorwürfe weisen in großer Einheitlichkeit auf eine Bereicherung Reinermanns hin. Er habe etliche verfallene Güter in und um Wetter an sich gebracht - so die “Scheiderhöffe”134) und zwei “wüste verfallene Heüser in Wetter” -, ferner habe er einzelne Wiesen, Grundstücke und Gerechtigkeiten in seinen Besitz gebracht, wobei er aber die Leistungsverpflichtung zur Kontribution mißachtet habe, letztlich wird der Vorwurf einer erheblichen Bereicherung an den Verwandten zweier hingerichteter Personen, die aufgrund des Hexereivorwurfs verhaftet worden waren, deutlich.135) Das Verfahren gegen Reinermann nimmt schließlich possenhafte Züge an, indem Reinermann sich nach Hamm und vorgeblich nach Berlin zum Kurfürsten begibt, tatsächlich sich aber stets in der Nähe von Wetter aufhält, die Kommission in Wetter soweit als möglich fortfährt und bei der Zeugenbefragung immer neue Beschuldigungen gegen Reinermann dokumentiert, dann schließlich der Richter gegenüber den Landständen seine Unschuld beteuert und gegen das unförmliche Inquisitionsverfahren der Kommissare herzieht. Daraufhin schreiben die Kommissare an den Statthalter Graf Moritz von Nassau nach Kleve und an den Kurfürsten, um gegen jegliche Interzession seitens des Obristleutnant Kielmann in Berlin zu protestieren und um eine persönliche Vorladung Reinermanns nach Wetter zu erreichen. Unterdessen unterrichtet der märkische Anwalt Winandt Rodt den Kurfürsten davon, daß von Reinermann bekannt geworden sei, daß er in Köln “Kleinodien” - gemeint sind wohl Schmuckstücke - gekauft habe, die er zur Bestechung der Beamten verwenden wolle. Der Höhepunkt der Angelegenheit ist anscheinend im März 1665 durch einen Brief von Christoph Philipp von Loe an den Kurfürsten erreicht, indem aufgrund der ehrverletzenden Klagen Reinermanns gegen seine Person darauf hingewiesen wird, daß im laufenden Verfahren Reinermann dreimal versucht habe, ihn mit Summen von 500, 600 und 700 Reichstalern zu bestechen. In einem zwölf Punkte umfassenden Papier wird zudem Kurfürst Friedrich Wilhelm aufgezeigt, was für ein Missetäter und Dieb Reinermann sei.136)

Caspar Reinermann schien mit seinem Verwirrspiel schließlich im August 1665 am Ende zu sein, denn seit dem 1. August lagen in Kleve sämtlich Akten zur Urteilsfindung vor. Da jedoch der Statthalter Moritz von Nassau auf Reisen war, wurde erneut ein Aufschub nötig. Eine Vorentscheidung schien dann aber durch den Befehl aus Kleve vom 29. Dezember erreicht, denn nun wurden sämtliche Güter Reinermanns bis zum Endurteil in Arrest genommen. Überraschend ist dann die Wendung: Am 1. Mai 1666 wird die Inquisitionssache gegen Caspar Reinermann - auf dessen ausdrückliche Bitte hin - eingestellt. Die erfolgte Absolution Reinermanns ist verblüffend, liegen doch dermaßen viele Anhaltspunkte für ein offensichtliches Fehlverhalten vor. Die Abwendung der Klage erfolgt nur unter der Begründung, daß nicht seine Unschuld festgestellt wurde, sondern die ganze Sache bei der ersten Erhebung der Kommission “eine Weitlauftigkeit” angenommen habe, die offensichtlich eine Lawine ins Rollen gebracht hätte. Ferner wird auf die Altersschwachheit Reinermanns - er war 57 Jahre alt - hingewiesen. Die Streitsache wurde aus kurfürstlicher Gnade gänzlich und für alle Zeit kassiert, ferner wurde Reinermann wieder in den Besitz aller Güter gelassen, auch seine Söhne durften wegen der erhobenen Anschuldigungen nicht mehr beklagt werden.137) Die Familie Reinermann spielte aufgrund dieses Absolutionsurteils noch im 18. Jahrhundert eine hervorragende Rolle in der Grafschaft Mark. Ihr Aufstieg war aber zu einem offensichtlich nicht unbeträchtlichem Teil dem umtriebigen Wirken des Caspar Reinermann zu verdanken, der im Alter von 22 Jahren aus Kamen kommend seine Amtsbestallung als Amtsschreiber des Bernhard von Romberg in Wetter erhielt und zu dieser Zeit noch kaum begütert war.138) Ob Reinermann tatsächlich seine Amtsvollmachten im großen Stil mißbraucht hat und als Kriegsgewinnler markiert werden kann bleibt unklar. Die Zeugenbefragung und die sich dabei häufenden Beschuldigungen könnten auch auf Neid und Mißgunst einer zutiefst durch den Krieg mitgenommenen Gesellschaft basieren.

6. Die Verpfändung des Amtes Wetter an Johann Graf von Sayn-Wittgenstein

Im Sommer 1645 war im Amt Wetter die kurfürstliche Kommission zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit der Untertanenschaft in den Gerichten des Amtes unterwegs und erstellte die sogenannte Hauptaufnahme über die steuerpflichtigen Güter. Ohne Übertreibung darf behauptet werden, daß die kurfürstlichen Kommissare über dieses Amt wohl besser bescheid wußten als über jedes andere Amt in der Grafschaft Mark. Als im Sommer die Hauptaufnahme soeben abgeschlossen war, schrieb der kurbrandenburgische Prinzipalgesandte auf dem westfälischen Friedenskongreß aus Osnabrück an Friedrich Wilhelm nach Berlin und schlug dem Kurfürsten - der offensichtlich wegen der aufwendigen Gesandtschaft in große Geldverlegenheit war - ein finanzielle Transaktion vor, in dessen Mittelpunkt bald das jetzt so vorzüglich dokumentierte Amt Wetter rücken sollte.139) Der Prinzipalgesandte, es handelte sich um den Grafen Johann von Sayn-Wittgenstein, schlug zunächst dem Kurfürsten nur den Vorschuß einer Summe von 40000 Reichstalern vor, da aber die schnelle Rückzahlung dieser Summe nicht möglich gewesen wäre, wurde bald die Verpfändung des Amtes Wetter beraten. Die Interessen des Kurfürsten liegen bei seiner steten Finanznot auf der Hand, die des Grafen gingen aber wohl tiefer, denn am Beispiel der Entstehung der reichsunmittelbaren Herrschaft Gimborn-Neustadt unter Graf Adam von Schwarzenberg war deutlich geworden, daß unersetzliche politisch-diplomatische Dienste durch Territorialgewinn kompensiert werden konnten, so daß ggf. hier Johann von Sayn-Wittgenstein zunächst über die Pfandschaft seine Hand nach dem Amt Wetter ausstreckte.

Ob die Pläne des Grafen tatsächlich so weit gespannt waren läßt sich nicht belegen, möglicherweise wollte er auch nur eine Sicherheit für die Gesandtschaftsausgaben haben, die er offensichtlich aus eigener Tasche vorstreckte. Das Amt Wetter wurde durch die Pfandverschreibung vom 2. Januar 1646 auf 15 Jahre für 40000 Reichstaler u.a. gegen alle Domäneneinkünfte verpfändet.140) Gegen die Verpfändung wandte sich der regionale Amtsadel, doch letztlich wurde die Verpfändung wirksam, sogar 1648 auf drei Jahre verlängert, weil es zu Beginn der Pfandschaft eine Verzögerung gegeben hatte.141) Johann von Sayn-Wittgenstein führte die Amtsgeschäfte im kurfürstlichen Namen. Der Pfandschaftsbesitz des Amtes Wetter wurde territorialgeschichtlich zwar für den Grafen nicht unmittelbar bedeutsam, doch letztlich als Faustpfand in der Frage der vollkommenen Besitzerwerbung der Grafschaft Hohenstein nutzbar gemacht. Diese Grafschaft wurde dem Grafen als brandenburgisches Lehen 1648 übertragen, doch die erbliche Qualität war nicht geregelt worden, so daß zwischenzeitlich Kurbrandenburg die Auslösung der Grafschaft aus den Händen Wittgensteins betrieb. Letztlich erhielt Wittgenstein aber auf dem Reichstag zu Regensburg 1653 Titel und Wappen der alten Grafen von Hohenstein vom Kaiser verliehen, was schließlich eine Einigung mit dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm 1654 vorbereitete. Gegen einen Verzicht auf die Rückzahlung der 40000 Reichstaler für das Amt Wetter bei Ablauf des Pfandschaftszeitraumes räumte ihm Kurfürst Friedrich Wilhelm die Grafschaft Hohenstein als erbliches Lehen ein.142)

Somit dürfte das Amt Wetter spätestens am 2. Januar 1664 wieder aus dem Pfandschaftsverhältnis gelöst worden sein. Die hier häufig erwähnten Vorwürfe gegen Caspar Reinermann wurden sowohl vor als auch nach der Pfandschaft erhoben. Vor der Pfandschaft wurden die Vorwürfe nicht weiter verfolgt, obgleich der Drost Hans Friedrich von Loe alle Anschuldigungen gegen “diesen Dieb” schon erhoben hatte. Möglicherweise ruhten die Anschuldigungen gegen Reinermann, weil inzwischen der alte Drost von Loe verstorben war, ggf. auch Reinermann mit dem Grafen von Sayn-Wittgenstein ein Vertrauensverhältnis hatte.143) Falls diese Einschätzung zutrifft und tatsächlich Reinermann durch die Bindung zum Grafen geschützt war, so war erst nach dem Ende der Pfandschaft der Weg zur Prozeßführung gegen Reinermann frei, die dann definitiv im September 1664 begann.

7. Fazit

Die Aktenedition von Otto Schnettler hat wie auch die wissenschaftliche Verarbeitung durch Reinhold E. Lob und Gisela Lange in aller Deutlichkeit gezeigt, daß die Menschen im Amt Wetter von diesem Krieg außerordentlich stark betroffen waren. Die Studien benutzten dabei den Quellenbegriff der wüst gewordenen Güter. Damit sind nicht unbedingt Totalwüstungen im Sinne vollkommen zerstörter Gebäude und verlassener Güter und Bauerschaften gemeint, sondern unter wüst gewordene Güter meint man in der Regel jene Besitzrechtsstellen, die stark unter den Kriegswirren gelitten haben, so daß sie entweder tatsächlich ganz und gar verwüstet oder aber soweit heruntergekommen waren, daß der landwirtschaftliche Erwerb vom Gut kaum mehr erwirtschaftet werden konnte. Als Folge lagen viele Ackerflächen brach und waren mit Buschwerk überwachsen; die Bevölkerung verarmte zusehens und konnte die Kriegssteuern nicht mehr bezahlen.144) Diese Zusammenhänge sind im großen und ganzen bekannt und müssen nicht in aller Breite dargelegt werden.

Weniger bekannt ist aber der Umfang der wüst gewordenen Güter in Dorf und Freiheit Wetter, denn die Steuerstreitakten enthalten hierüber keine Angaben. Hier helfen Akten aus dem Stadtarchiv Wetter weiter, die z.B. für das Jahr 1643 darlegen, daß die Freiheit Wetter “in kurtzer Zeit grossen Ruin” erlebt habe, auch daß “an die 29 Heuser herunter gefallen und gerissen”.145) Schon bis 1640 habe sich die Gemeinde durch Schuldverschreibungen in einer Höhe von 2000 Reichstalern verschuldet.146) Die Angabe von 29 Häusern wird durch eine weitere Aufstellung belegt, die vom Gerichtsschreiber zu Hagen Caspar Reinermann beglaubigt wurde. Hier ist von 27 “ledigen” Häusern die Rede, die “in der Freyheit Wetter wüste gelegen”, ferner werden weitere sieben Häuser benannt, die wüst gelegen hatten, aber inzwischen wieder bewohnt werden, wo jedoch kaum eine Steuerleistung zu erwarten sei.147) Solche Bescheinigungen über den Zustand der Güter wurden offensichtlich auf Druck der Kriegsherren erstellt, denn bei einer Bescheinigung des Drosten Hans Friedrich von Loe vom 10. Juli 1642 wird ausdrücklich gesagt, daß die Einwohner der Freiheit Wetter vor ihm erschienen seien und um eine Zustandsbeschreibung des Gemeinde gebeten habe, weil der kaiserliche Kriegskommissar dies schriftlich verlangt habe. Der Drost stellt fest, daß in der Gemeinde 32 Häuser und Güter ganz ruiniert seien und daß davon keine Kontribution verlangt werden könne. Insgesamt würden in der Freiheit Wetter nur 24 “unvermogene, blutharme Unterthanen” leben.148)

Das viele Häuser lange zerstört und niedergerissen lagen wird an einem Brief des Richters Johann Kramer deutlich. Dort weist er 1642 darauf hin, daß das Wernings Haus, das 1637 von schwedischen Soldaten “beynahe gantz hernidergerissen” wurde, nun durch einen Sturm weiter beschädigt worden sei. Da dieses Haus als ehemaliges Richterhaus dem Kurfürsten gehöre, fragt Johann Kramer, ob er den Wiederaufbau betreiben solle, oder ob er das Haus “vor ein pilliges” an Peter Lockum verkaufen dürfe, der um den Erwerb nachgefragt habe.149) Eine Auflistung der Pächter zu Wetter zeigt, daß 1645 von ursprünglich 87 Häusern in Wetter nur noch 55 in einem baulichen Zustand seien. Die restlichen 32 Häuser seien “zugrundt niedergerissen” worden.150) Dies würde bedeuten, daß in Dorf und Freiheit Wetter nahezu 37% Wüstungen in dem Jahr vorhanden waren, wo im übrigen Amt Wetter die Hauptaufnahme der steuerpflichtigen Güter entstand. Die anhaltende Armut der Bewohner der Freiheit Wetter wird in einer weiteren Bescheinigung des Drosten Hans Friedrich von Loe und des Richters Johann Kramer aus dem Jahre 1646 deutlich. Sie bescheinigen, daß “woll über 20 Häuser ruinirt und wüste liggen”. Bezieht sich diese Aussage nur auf die Freiheit Wetter, wo meist von etwa 46 Häusern die Rede ist,151) so hat sich der Zustand zum Vorjahr keineswegs gebessert. Es wird erneut auf die Armut der Bewohner der Freiheit hingewiesen. Als Ackersleute und Maurer würden sie “den Winter nichts verdienen können, und alles was sie den Sommer und sonsten erwerben, an die Contribution lagen müssen”. Auch seien sie alle Pächter und müßten somit von jedem Morgen Land ein Malter zur Pacht a bgeben.152) Die Bescheinigung schließt mit der Feststellung, daß viele hoch verschuldet seien und nicht nur die Privathäuser baufällig, sondern auch die Kirche und die Kapelle von den Bewohnern kaum erhalten werden könnten. Die Pächter der Freiheit bitten in den ersten Jahren nach Abschluß des Westfälischen Friedens mehrfach um Senkung der Pacht, da es zu Mißernten gekommen sei.153)

Diese ganzen Angaben geben ein recht konsistentes Bild, was die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf die Gemeinde Wetter betrifft. Die langen Kriegsjahre haben zu einer nachhaltigen Verelendung der Bevölkerung geführt, zum - teils gewaltsamen - Niedergang ganzer Familien, zugleich aber auch zum Aufstieg einzelner Persönlichkeiten. Die Kriegsauswirkungen im ganzen Amt sind vergleichbar, doch die Bauerschaften an den Handelsstraßen und die Stadt Schwelm scheinen zusätzlich stark durch Truppenbewegungen und Pest gelitten zu haben. Die Akten geben dabei meist eine fiskalische Sicht der Dinge wieder, da die Beamten vor allem die Frage der Steuerleistung als eine Überlebensfrage behandeln mußten. Solche Akten weisen über die vielen Kriegsdrangsale wenig aus oder das Leiden der Bevölkerung versteckt sich hinter dürren Feststellungen, daß in diesem Gut seit langer Zeit keiner mehr gewohnt habe oder das jenes Gut von den Kriegsleuten ruiniert worden sei. Für die Armut der Bevölkerung in Schwelm steht die Tatsache, daß der Rat zur Armenspeisung Mehl verbacken ließ.154) Trotz dieser vielen Hinweise auf Not, Elend und Untergang, so muß auch auf einige wirtschaftliche Bereiche hingewiesen werden, die in dieses Bild nicht passen wollen. Gerd Helbeck hat nicht nur darauf hingewiesen, daß verschiedene Bereiche des Handels - für Schwelm besonders wichtig - mit einigen Einbußen den Krieg überstanden, vielmehr gab es mit der Kohleförderung in unserer Region einen beachtlichen säkularen Aufschwung.155)

Der Westfälische Frieden brachte 1648 den Krieg europäischer Dimension zum Stillstand. Die Rückführung der Soldaten in ein ziviles Dasein blieb als Problem noch einige Jahre akut wie auch der Jülich-Klever Erbfolgestreit, der die Grafschaft Mark noch einige Jahre nach dem Krieg in Atem hielt. Doch letztlich waren die Signale unübersehbar, daß jetzt der “langgewünscheter Friede” gekommen war.156) Schon 1649 lebten in der Freiheit Wetter wieder 131 Personen, im Dorf Wetter immerhin 76.157)


2000-09-30 Dr. Bernhard Ruthmann



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